Amrum: Seenotrettungskreuzer „Ernst Meier-Hedde“ wurde getauft

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2015-05-30_Taufbild02_(CIS-intern) – Horst Schinzel Im Rahmen einer großen Schiffsparade mit Rettungsbooten aus vielen Ländern hat die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am Samstag, 30. Mai 2015, in Bremerhaven ihren jüngsten Seenotrettungskreuzer getauft. Deutsche und ausländische Rettungseinheiten sind noch das ganze Wochenende lang zu besichtigen. In der kommenden Woche ist Bremerhaven außerdem Tagungsort des World Maritime Rescue Congress.

28 Meter lang, 6,20 Meter breit, zwei Meter Tiefgang, fast 4.000 PS stark und 24 Knoten schnell – das sind nur einige technische Daten des neuesten Seenotrettungskreuzers der DGzRS. Zur Taufe von SK 35 und seinem Tochterboot TB 39 begrüßte die DGzRS zahlreiche Gäste und Tausende von Freunde und Förderern der Seenotretter aus nah und fern.

Foto: Taufpatin Karin Fahrenschon gemeinsam mit dem Vorstand der DGzRS (v..l.n.r.) Gerhard Harder, Vorsitzer, Karin Fahrenschon, Michael Schroiff, stellv. Vorsitzer, Ingo Kramer, stellv. Vorsitzer, vor dem frisch getauften Schiff (Foto: DGzRS)

Karin Fahrenschon, Ehefrau von Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Hauptsponsor der Jubiläumsveranstaltungen der DGzRS, taufte den Seenotkreuzer auf den Namen ERNST MEIER-HEDDE. Sie wünschte „allzeit gute Fahrt und der Besatzung stets eine sichere Heimkehr“. Das Tochterboot wurde von Nicole Keller, einer Enkelin Meier-Heddes, auf den Namen ihrer Großmutter und Meier-Heddes Ehefrau LOTTE getauft. Für den musikalischen Rahmen sorgten Musiker des Bundespolizeiorchesters aus Hannover.

Vorsitzer der Wiedervereinigung
Der Reeder Ernst Meier-Hedde (1913-1994), Mitbegründer der Bremer Schlüssel-Reederei für Massengutschiffe, war von 1980 bis 1990 elf Jahre lang ehrenamtlicher Vorsitzer der Seenotretter. Sein Engagement war bestimmt von dem Bestreben, den Seenotrettern stets ein Höchstmaß an Sicherheit an Bord zu geben – als wichtigste Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz auf See. Seine im Beruf gewonnenen Erfahrungen stellte er voll in den Dienst der DGzRS. Durch sein vorbildliches Wirken, seine menschliche Haltung im Dienst der humanitären Aufgabe und sein Fachwissen prägte er das Bild der DGzRS im In- und Ausland nachhaltig.
Mit der Namengebung würdigt die DGzRS indirekt ein zweites Jubiläum des Jahres 2015: Vor 25 Jahren, unter dem Vorsitz von Ernst Meier-Hedde, kehrte die Gesellschaft auf ihre angestammten Stationen in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Die Wiedervereinigung der Seenotretter aus Ost und West war ein Höhepunkt seiner Tätigkeit.

Typschiff einer völlig neuen Klasse
In seiner Taufrede betonte Michael Schroiff, stellvertretender Vorsitzer der DGzRS, dass der Bau der ERNST MEIER-HEDDE ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen ermöglicht wurde. „Unsere 300.000 treuen Förderer im ganzen Land haben diesen neuen Seenotrettungskreuzer finanziert. Sie alle können zu Recht von sich behaupten, ihren Teil zu diesem Neubau beigetragen zu haben. Für alle Beiträge sage ich im Namen der Seenotretter herzlichen Dank.“

Auch viele Einzelpersonen haben ihre Verbundenheit mit den Seenotrettern durch außergewöhnliche Spenden für den Neubau dokumentiert. Ihre Namen fahren auf Danktafeln an Bord künftig bei jedem Einsatz mit.

Die ERNST MEIER-HEDDE ist das Typschiff der völlig neuen 28-Meter-Klasse. Die jüngste und modernste Bootsklasse der DGzRS ist konzipiert als leistungsfähiger Nachfolgetyp der sechs 27,5-Meter-Seenotkreuzer, die zwischen 1985 und 1992 in Dienst gestellt wurden. BERLIN und HERMANN HELMS gehören zu den bekanntesten Namen dieser Klasse.

Stationiert werden die 28-Meter-Seenotkreuzer an wichtigen Küstenpunkten. Ihr Einsatzgebiet wird das Küstenvorfeld ebenso wie die hohe See sein – bei jedem Wetter und auch unter extremsten Bedingungen. Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS werden auch diese Seenotrettungskreuzer vollständig aus Aluminium im bewährten Netzspantensystem als Selbstaufrichter gebaut.

Die ERNST MEIER-HEDDE entstand auf der Schiffs- und Bootswerft Fr. Fassmer in Berne an der Unterweser. Sie wird im Zuge der Modernisierung der Rettungsflotte den Seenotrettungskreuzer VORMANN LEISS (Baujahr 1985) auf der Station Amrum ablösen. Erste Probefahrten haben stattgefunden und sehr positive Ergebnisse gebracht. Vor der endgültigen Stationierung wird der Neubau weitere umfangreiche Erprobungen absolvieren.

Das 24 Knoten (ca. 46 km/h) schnelle Schiff wird von einer vier Mann starken Besatzung gefahren. Besondere Merkmale sind eine umfassende Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung an Bord, eine Feuerlöschpumpe mit ferngelenktem Monitor zur Bekämpfung von Bränden auf See und die Fähigkeit, sich im Falle des Durchkenterns innerhalb weniger Sekunden selbst wieder aufzurichten. In der für Seenotrettungskreuzer typischen Heckwanne führen die 28-Meter-Einheiten jeweils ein gut acht Meter langes Tochterboot mit sich.

Die Eckdaten der neuen Klasse: Länge über Alles: 27,90 Meter • Breite über Alles: 6,2 Meter • Tiefgang: 2,00 Meter • Geschwindigkeit: 24 Knoten (ca. 45 km/h) • Besatzung: 9/4 Pers. (Stamm/Einsatz) • Antrieb: zwei Propeller, je 1.440 kW/1.958 PS = 2.880 kW/3.916 PS • Verdrängung: 120 Tonnen

Schiffsparade und viele internationale Gäste
Eingerahmt wurde die Taufe der ERNST MEIER-HEDDE von einer großen Parade zahlreicher Rettungseinheiten aus dem In- und Ausland. Der neue Seenotrettungskreuzer setzte sich frisch getauft an die Spitze der Parade und führte die Schiffe von der Columbuskaje bis nach Blexen-Reede, von wo die Parade wieder weserabwärts führt. Im Neuen Hafen sind ab heute Nachmittag allein rund ein Dutzend Schiffe der DGzRS sowie zahlreiche Rettungseinheiten ihrer ausländischen Schwesterorganisationen aus nahezu allen europäischen Nachbarländern zu besichtigen, ferner einige deutsche Behördenschiffe und Hubschrauber der Partner der DGzRS auf und über See, darunter die Bundespolizei und die Deutsche Marine.

Um 14 Uhr wird in einem großen Veranstaltungszelt an der H.-H.-Meier-Straße die Fach- und Besuchermesse „MMS“ zum Thema maritime Sicherheit durch den Parlamentarischen Staatssekretär Uwe Beckmeyer, Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, sowie Bruce Reid, Geschäftsführer der International Maritime Rescue Federation (IMRF), gemeinsam mit dem Leiter des Rettungsdienstes und Geschäftsführer der DGzRS, Kapt. Udo Helge Fox, eröffnet. Die Messe ist am Sonntag von 10 bis 20 Uhr sowie am Montag und Dienstag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Viele Partner der Seenotretter präsentieren dort ihre Arbeit. Der Eintritt ist frei.

Am Samstag- und am Sonntagabend wird die internationale Rettungsflotte im Neuen Hafen eindrucksvoll illuminiert. Am Sonntag, 11.30 Uhr, findet im Schleusengarten in der Nähe des Großen Leuchtturms ein Ökumenischer Gedenkgottesdienst für alle auf See Gebliebenen statt. Die Leitung hat Bremerhavens Superintendentin Susanne Wendorf-von Blumröder. Darin wird auch die Schiffsglocke der „Johanne“ erklingen. Die Bark war 1854 vor Spiekeroog gestrandet, 84 Menschen kamen ums Leben. Der Schiffbruch war einer der Auslöser zur Gründung der DGzRS. Im Anschluss an den Gedenkgottesdienst sind alle Schiffe erneut zu besichtigen.
World Maritime Rescue Congress

Vom 1. bis 4. Juni ist die DGzRS Gastgeber des World Maritime Rescue Congress. Zu dieser internationalen Tagung der Seenotrettungsdienste, veranstaltet von der International Maritime Rescue Federation (IMRF), werden mehr als 300 Delegierte und Kongressteilnehmer aus aller Welt in Bremerhaven erwartet. Im Mittelpunkt stehen Fachvorträge und Arbeitsgruppen zum umfassenden Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Das erste und bisher einzige Mal in ihrer langen Geschichte war die DGzRS im Juni 1959 Gastgeber dieser alle vier Jahre stattfindenden Veranstaltung.

Bereits gestern hatte die DGzRS ihren 150. Geburtstag mit einem Festakt im Bremer Rathaus und anschließender Taufe des neuen Seenotrettungsbootes HENRICH WUPPESAHL/Station Neustadt in Holstein auf dem Marktplatz begangen. Dazu war auch der Schirmherr der Seenotretter, Bundespräsident Joachim Gauck, nach Bremen gekommen.