Ungewöhnliche Arbeitsplätze – Rollende Werkstatt im Watt

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(CIS-intern) – Das Handy ist vielleicht das Einzige, was Claus Cosmos an seinem Arbeitsplatz stört. „Für mich ginge es auch ohne“, sagt er und grinst. Doch seine Mobilnummer kennt nun wirklich jeder im Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH).

Zumindest jeder, der mit technischem Gerät arbeitet. Denn, egal, ob ein Schott in der Schleuse nicht hochfährt, ein Gleis gebrochen oder ein Außenborder über Bord gegangen ist – „Da ruft einer an, und dann fahr ich da hin.“ Claus Cosmos‘ Arbeitsplatz ist ein grüner Sprinter mit dem Kennzeichen NF-233: Die rollende Werkstatt des Landesbetriebs.

Foto: Thomsen

Heute braucht ein Baggerführer auf dem Damm zwischen Oland und Langeneß seine Hilfe. Der Grüppenbagger, mit dem er Schlick an den Fuß des Wattsicherungsdammes werfen soll, wird zu heiß.

Claus Cosmos, im Blaumann, schwingt sich auf den Fahrersitz. Vom Husumer Bauhof aus geht es – durch grüne Weiden und an grasenden Schafen vorbei – nach Dagebüll. Im Radio läuft Welle Nord, die Straßenkarte von der dänischen Grenze bis zum Eidersperrwerk hat er im Kopf (auch jede Menge Schleichwege, die nicht in der Karte stehen). Der Aschenbecher ist voll: Eine bunte Sammlung kleiner und großer Schlüssel für Tore, Sielgebäude und Fahrzeuge lagert hier.

Seit über 20 Jahren fährt der Landmaschinenmechanikermeister so als verlängerter Arm der Bauhof-Werkstätten über Land. Er sei gerne allein unterwegs, sagt der 55-Jährige, und ganz alleine ist er ja auch nicht: „Schleusenwärter oder Baggerführer sind ja immer vor Ort.“

Am Bauhof in Dagebüll lädt er zwei schwarze Eimer mit Werkzeug und seine Gummistiefel auf die Lore, kuppelt noch einen Waggon mit Pfählen für die Lahnungen vor der Hallig Oland mit an, und los geht es. Die kleine gelbe Lok tuckert mit 15 Stundenkilometern über den Seedeich und raus auf den Damm, durchs trockengefallene Watt.

Austernfischer schimpfen, in der Ferne leuchten die bunten Regenjacken einer Gruppe Wattwanderer. Die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Auf Oland wird Claus Cosmos mit einem langgezogenen „Moin!“ begrüßt, der Waggon mit den Pfählen wird abgekuppelt, langsam geht es weiter. Zwischen Oland und Langeneß kommt der rote Bagger in Sicht.

Was ist kaputt? Wird der Motor wirklich zu heiß oder spinnt die Temperaturanzeige? Detektivarbeit für den Technik-Fachmann. Ob Mechanik, Elektrik, Hydraulik – hier draußen ist er auf sich allein gestellt, was nicht endgültig repariert werden kann, muss zumindest überbrückt werden, denn oft heißt es: „Das Ding muss laufen, damit es erst mal ins Trockene kommt.“

Die Grüppenbagger zum Beispiel sind zwar auf Schwimmpontons montiert und können bei Flut draußen bleiben, doch wenn sich der Arm mit der Schaufel nicht exakt einfahren lässt, reicht eine kleine Welle von der Seite, um sie zum Kentern zu bringen.

Der Motor wird tatsächlich zu heiß, das Thermostat muss raus. „Treck mal hoch!“, weist Cosmos den Baggerführer an, kneift die Augen zusammen und grummelt: „Dat dor ünnen nu noch een Schruuw sitten muss…“ Werkstatt-Service im Watt läuft natürlich nur auf Platt.

„Es ist immer was Neues, ich mache nie die gleiche Arbeit zweimal“, sagt Claus Cosmos, „das ist ja das Interessante.“ Einen Job in der Werkstatt (oder womöglich sogar im Büro) kann er sich nicht mehr vorstellen. Hier draußen muss er alles selbst regeln, kann aber auch frei entscheiden. Und er sieht seinen Erfolg: Nach einer Stunde Fehlersuche und Reparatur kann der Bagger weiterarbeiten, der Baggerführer ist zufrieden. Claus Cosmos auch. Während die Lore gemächlich wieder dem Festland entgegentuckert, lässt er den Blick über die Weite des Watts wandern. „Nee, an und für sich hat man hier schon eine ganz schöne Arbeit.“

Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein

http://www.lkn.schleswig-holstein.de/

Eine Bitte: Wir haben hier zu Ihrer Homepage verlinkt und auch wir freuen uns über Links zu uns. Verlinken Sie gerne auf ihrer Internetseite zu uns: http://blog.nordfriesland-online.de – Nordfriesland-online Blog – Vielen Dank!