Schafflunder suchen Lebensretter für Leukämiekranke

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Schafflunder suchen Lebensretter für Leukämiekranke
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PlakatLoreSchilling06-2015(CIS-intern) –In guten wie in schlechten Zeiten wollten Lore und Dieter Schilling zusammenbleiben. Das hatten sich die beiden vor 50 Jahren versprochen und das haben sie auch gehalten – bis zum Frühjahr 2015. Da starb Lore an Leukämie und all die Pläne auf ein gemeinsames Rentnerleben sind einfach zu Ende. Dieter macht das nicht nur traurig, sondern auch wütend. Deshalb will er das Leiden, das seiner Lore widerfahren ist, in ein Hoffnungszeichen verwandeln. „In Gedenken an Lore“ plant er eine Typisierungsaktion am Sonntag, 7. Juni, 11 bis 15 Uhr, in der Grund- und Gemeinschaftsschule Schafflund (Kreis Schleswig-Flensburg) – ganz konkrete Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke.

Lore Schilling hat ihren Mann „Diezi“ genannt. Kennengelernt haben sich der Fachkrankenpfleger für Anästhesie -Intensiv- und Notfallmedizin und die OP-Schwester im Flensburger Malteser-Krankenhaus vor 50 Jahren – genau an der Stelle, an der später ihr Krankenzimmer war , in dem sie starb. „Das ist schon eigenartig“, sagt Dieter Schilling, der sich noch genau daran erinnert, wie er Lore zum ersten Mal gegenüberstand. Was folgte war ein ganzes erfülltes Leben – Kinder und Enkelkinder, kleine und große Sorgen. Ein Haus, der Garten, Freunde, Vereine, Arbeit und Urlaub, Rituale und die Gewissheit – wir gehören zusammen. „Wir waren EINS – uns gab es nur im Doppelpack“, schreibt der 69-Jährige Monate nach dem Tod seiner Frau. Durch das Schreiben von Lores Geschichte arbeitet er den Tod auf.

Was die Diagnose Leukämie für den Patienten bedeutet, wussten beide. Bei der Arbeit in Flensburg, wo auch die Stefan-Morsch-Stiftung eine Stammzelltherapieeinheit im Aufbau finanziert hat, kam man täglich mit dem Thema in Kontakt. Dieter Schilling weiß: „Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung den Blutkrebs nicht besiegen, ist eine Transplantation von Stammzellen die einzige Chance.“ Eine solche komplette Erneuerung des blutbildenden Systems ist aber nur durch die Spende eine Menschen möglich, der die gleichen genetischen Merkmale besitzt. Nur 30 Prozent der Patienten finden einen solchen passenden Spender in der eigenen Familie. Die meisten Patienten benötigen einen fremden Lebensretter – so auch Lore Schilling.

Dieter Schilling schildert nur ansatzweise was eine solche Spendersuche und das Warten auf ein Ergebnis für die Patienten und ihre Angehörigen bedeutet. In den Spenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung, der ältesten Datei Deutschlands, sind heute mehr weltweit mehr als 25 Millionen potenzielle Lebensretter registriert. Trotzdem gleicht manche Suche der einer Nadel im Heuhaufen. Für die 73-Jährige Lore wird niemand gefunden. Ihr Mann möchte jetzt, nachdem es für seine Frau den Hoffnungsschimmer einer Transplantation nicht gab, anderen Patienten diese Qual ersparen. Er will, dass sich mehr Menschen typisieren lassen. Deshalb möchte er auch Schulen und Vereine ansprechen, dass vor allem junge Menschen sich über das Thema informieren. Die Schafflunder Bürgermeisterin Constanze Best-Jensen hat er schon dafür gewonnen. Feuerwehr und Landfrauen sind ebenfalls mit an der Organisation beteiligt. Dieter Schilling: „In Gedenken an Lore sollte sich jeder gesunde Erwachsene bis 40 Jahre im Vorfeld über die Stammzellspende informieren und sich dann typisieren lassen. Wir suchen Lebensretter!“

„Für diesen Weg eines potentiellen Stammzellenspenders plädiert auch die Chefärztin der Inneren Klinik am St.Franziskus- Hospital zu Flensburg, Prof.Dr.med Nadezda Basara.Zu ihrer Klinik gehört auch die Innere 3 und der dazugehörigen Stammzelltherapie-einheit , der “ Stefan-Morsch-Station „. Diese in sich abgeschlossene Einheit wurde 2012 mit Mitteln der “ Stefan-Morsch-Stiftung “ realisiert . Hier erhalten an Leukämie Erkrankte die gespendeten Stammzellen , bevor sie dann nach der Genesung auf die Pflegestation – Innere 3 – verlegt werden .“

 

Die wichtigsten Informationen zur Typisierung:

Wer kann sich als Stammzellspender registrieren lassen?

Prinzipiell kann sich jeder gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren aufnehmen lassen. Wer nicht älter als 40 Jahre ist, kann kostenlos typisiert werden. Gleiches gilt für Jugendliche ab 16 Jahren – vorausgesetzt die Eltern stimmen zu. Doch es gibt Ausschlusskriterien für die Stammzellspende, über die man sich vor der Typisierung informieren sollte – schwere Krankheiten und die Zahl der Schwangerschaften sind relevant.

„Typisierung“ lautet der Fachbegriff für die Aufnahme in die Stammzellspenderdatei: Ist der Gesundheitsfragebogen unterschrieben, wird ein Fingerhut voll Blut bzw. eine Speichelprobe abgenommen. Daraus werden die Gewebemerkmale des Spenders analysiert. Die Merkmale werden bei der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung gespeichert und anonym an das deutsche Zentralregister übermittelt. So stehen sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung.

Mehr Info: Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de), gebührenfreie Info-Hotline 08 00 – 766 77 24, info@stefan-morsch-stiftung.de.

Wie funktioniert eine Stammzellspende?

Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen, gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.

Ist eine Online-Registrierung möglich?

Über die Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) kann man sich jederzeit als Stammzellspender erfassen lassen. Über den Online-Registrierungsbutton auf der Startseite kommt man zur Einverständniserklärung. Dort müssen eine Reihe von Gesundheitsfragen beantwortet werden, deshalb sollte die PDF „Wie werde ich Spender?“ vorab genau gelesen werden. Nach dem Ausfüllen der Einverständniserklärung bekommt man ein Registrierungsset mit genauer Anleitung zugeschickt. Für Spender, die jünger als 40 Jahre sind, entstehen dabei keine Kosten.

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. So werden täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der stiftungseigenen Spenderdatei von mehr als 400 000 potentiellen